• In meinem wilden Herzen


    Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben!
    Sie zu halten, wäre das Problem.
    Denn, wen ängstigts nicht: wo ist ein Bleiben,
    wo ein endlich Sein in alledem? -


    Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen
    jenem Raum, der ihn nach Abend nimmt:
    Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen,
    und das willig Liegende verschwimmt -


    Berge ruhn, von Sternen überprächtigt; -
    aber auch in ihnen flimmert Zeit.
    Ach, in meinem wilden Herzen nächtigt
    obdachlos die Unvergänglichkeit. "


    Rainer Maria Rilke


    dieses Gedicht fiel mir durch die Vertonung von Laith Al-Deen in den Sinn. Ich nahm mir die Zeit, darüber zu denken.

    Wenn einer, der mit Mühe kaum
    Gekrochen ist auf einen Baum,
    Schon meint, daß er ein Vogel wär,
    So irrt sich der.


    Wilhelm Busch

  • Ein sehr schönes Werk, das mir klar macht, dass ich mich auch mehr mit Rilke befassen sollte - ich finde es schade, dass mir viele gute Werke verborgen bleiben.
    Naja, da sieht mensch wieder einmal entgegen deiner Behauptungen, dass ich auch von dir in dieser Hinsicht noch viel zu lernen habe.


    Da ich allerdings nicht weiß, ob du eine Stellungnahme zu diesem Gedicht erwartest, der Threadtitel allerdings vermuten lässt, dass hier Poesie jeder Art erwünscht ist, möchte ich euch an einem Gedicht teilhaben lassen, das mich in letzter Zeit doch sehr beschäftigt.



    Ich befinde mich gerade
    In diesem Zustand zwischen
    Wachen und Nichtwachen
    Und ich denke nach,
    Zerdenke Situationen
    Überdenke
    Bedenke
    Nur verdenke nichts.
    Ich weiß nicht, was ich
    Reflektieren soll über
    Vergangenes.
    Gefühle in Worte gepresst
    Leere Hüllen, die
    Erlebtes verstümmeln,
    Irgendwie weit am Kern Vorbeischießen
    Nie treffen könnten
    Diese wabblige,
    Ständig sich neu entwerfende Masse
    So belass' ich alles
    Lasse Frieden und
    Nachdenken walten
    Weil ich weiß, dass ich besser
    Schweige.
    Und alles objektiv stehen lasse
    Nur einmal noch möcht' ich
    Indirekt sprechen
    Mit Patti Smiths "Wave"
    Es scheint irgendwie
    Den Kern zu betrachten
    Aber nie versuchen zu
    Wollen zu treffen.
    Denn kaum löst sich der Schuss
    Ist der Kern zerstört
    Zerstoben in tausend Splitter
    Die sich verwandeln
    Auflösen
    Doch vorher noch schneiden
    Blut sehen wollen
    Verzweiflung sähen.
    (Magdalena Wolf)

  • Ist zwar kein Gedicht sondern ein (weltbekanntes) Lied aber ich finde dennoch hier findet es einen gerechten Platz.


    I see trees of green,
    red roses too.
    I see them bloom
    for me and you.

    And I think to myself
    what a wonderful world.
    I see skies of blue
    and clouds of white.
    The bright blessed day,
    the dark sacred night.


    And I think to myself
    what a wonderful world.

    The colors of the rainbow
    so pretty in the sky.
    Are also on the faces
    of people going by.
    I see friends shaking hands
    saying how do you do.


    They're really saying
    I love you.


    I hear babies cry,
    I watch them grow.
    They'll learn much more
    than I'll never know.

    And I think to myself
    what a wonderful world.
    Yes I think to myself
    what a wonderful world.


    von Louis Armstrong

  • ottos mops


    ottos mops
    ottos mops trotzt
    otto: fort mops fort
    ottos mops hopst fort

    otto: soso


    otto holt koks
    otto holt obst
    otto horcht
    otto: mops mops
    otto hofft


    ottos mops klopft
    otto: komm mops komm
    ottos mops kommt
    ottos mops kotzt
    otto: ogottogott

    aus: Ernst Jandl, Der künstliche Baum & Flöda und der Schwan


    Eines meiner absoluten Lieblingsgedichte.


    lg Xandi

  • soo... ein Gedicht von mir:


    Wenn einer fortgeht,
    lässt er eine Lücke zurück,
    der Hinterbliebene,
    wird von Trauer verrückt.


    Die Angst vor der Zukunft,
    was nun kommen mag,
    vertrübt seine seele,
    vertreibt den Tag.


    Sein eigenes Leben,
    an Sinn verliert,
    der Tod des andern,
    ihm Leid zuführt.


    Sein einziger Bezug
    zur Wirklichkeit,
    ging bald verloren,
    und wich der Einsamkeit.



    Und dann,
    in einer dunklen Nacht,
    hat ihm ein Strick,
    Erlösung gebracht!

  • Un nomml eins... an eine ehemalige freundin...:'(



    Ein Vogel frei und stolz
    und so erhaben
    fliegt hier und da
    lässt sich vom Winde tragen


    Ein Vogel
    lieblich und froh
    fast unbezwingbar
    zumindest scheint es so


    Ein Vogel gefangen
    im eignen Verließ
    den Schlüssel verloren
    die Tür zufallen ließ


    Der Vogel lebt weiter
    und wahrt den Schein
    vom lieblichen, freien
    Vögelein.

  • Ohne viel Einleitung...habe ich bestimmt schon mal im Spiel irgendwo vorgetragen. Aus dem Herzen des Kriegers



    Finsterer Donner rollt über das Land,...
    verkündet mein Ende, und wie ich es fand...
    Geboren im Chaos, gelebt mit dem Schwert,...
    sterb` ich alleine, war es das wert?...


    Einst ward vernichtet, was lieb mir und teuer....
    mein Herz ward´ geschmiedet im dunklen Feuer....
    Geformt in des Haßes brennender Glut....
    gehärtet in Tränen der rasenden Wut....


    Meiner Hoffnung beraubt, meine Unschuld verloren,....
    so sind denn all` meine Träume erfroren....
    In der eisigen Kälte, der endlosen Nacht....
    zu der mein Dasein ward` gemacht....


    Verflucht war ich auf Lebenszeit,...
    bis daß nun der Tod mich vom Leben befreit....
    denn erst wenn beendet dieser Welt Pein....
    werde ich wieder in Freiheit sein....


    So eile zu mir, Gevatter Tod....
    als einziger Freund, in der Stunde der Not....
    Führ` mich geschwind in das strahlende Licht....
    Ich erwarte dich sehnlichst, und fürchte mich nicht....


    Denn dort herrscht die Ruh, die mir verwehrt....
    dort wird mein Geist wieder unversehrt...
    Nie mehr leiden, nie wieder hassen....
    all` dies werd` zurück ich lassen...


    Denn in des Lichtes hellem Schein....
    soll auch mein Schmerz vergessen sein...
    Die Qual vergehen, wie Rauch im Wind....
    so daß ich endlich Frieden find....

  • wenn das der wind ist
    den ich zu erwarten habe
    und
    wenn das der regen ist
    durch den ich gehen muss
    wenn das das beben ist
    der den boden unter mir
    zum wanken bringt
    und die schützende höhle
    zum einbruch


    dann
    mein freund
    habe ich schon gewonnen.


    mich schreckt nicht der wind
    oder das bisschen regen
    ich fürchte mich nicht
    vor diesem vulkan,
    der die erde zum beben
    und die höhle um mich herum
    zum einsturz bringt


    lass es dunkel werden
    und still
    lass die winde verstummen
    den regen versiegen
    und
    lass die welt stillstehen
    und wirf mich durch diesen frieden
    mir selbst
    zum fraße vor


    dann
    - vielleicht -
    werde ich mich
    - für einen kleinen moment -
    fürchten

  • Ikarus


    wohlwissend
    um das Wagnis
    überzeugt
    vom Gelingen
    optimistisch
    das Kinn tapfer gereckt
    dem Sturmwind trotzend
    und
    der Glut entgegen


    nicht das Schmelzen meiner Flügel
    nicht der Aufprall
    sondern
    einzig das Auseinanderdriften
    das
    ist der Schmerz

  • Sternenstaub


    Sag mir, weißt du, was es ist, wenn du nachts in den Himmel schaust und plötzlich Tränen in den Augen hast? Sind es deine Gedanken? Das, was du vergessen hast? Das, was du verloren hast? Oder ist es der Sternenstaub, der dir die Tränen in die Augen treibt?


    Sternenstaub, all die vergangenen Zeiten.
    Flügel, die mich tragen, die, die mich begleiten.
    Die, die mich vergessen, wer wird sich erinnern?
    Schatten, die ich seh, wie die der kleiner Kinder.
    Was bleibt für immer, wie lang wirst du noch verschweigen?
    Gesichter, die du fühlst, ohne dass sie sich dir zeigen.
    Glaub mir nicht, aber ich weiß, dass er sich versteckt!
    Manchmal siehst du Hörner, wie er sich die Lippen leckt!
    Mit jedem Schritt, den du gehst geht dein Schritt auf ihn zu!
    Frag nicht warum, ich bin ich und nicht du!
    Glaubst du im ernst wir sind da, um zu bleiben?
    Wenn du jemals liebst wirst du gleichzeitig leiden!


    Ist es Traurigkeit, die mir Tränen in die Augen treibt?
    Ist es Liebe? Ist es Hass? Ist es Sternenstaub?
    Ist es wahr, dass dir am Ende nur der Glauben bleibt?
    Wenn der Glaube bleibt, bitte was ist dann Sternenstaub?


    Wenn die Tränen fallen und sich Blicke nicht mehr treffen
    wer soll dann noch hoffen und ich schlechten Zeiten lächeln?
    Die Illusion ist nur der Schutz vor deiner Wahrheit,
    schaust du dahinter wirst du verrückt vor lauter Klarheit!
    Lieber verrückt, als verfolgt von einer Lüge.
    Die Welt ist wie ein Schachbrett, das Leben deine Züge!
    Ziehe, überlege! König oder Läufer?
    Lass dir Zeit, oder du gehst unter voller Eifer!
    Achte auf den Wind und denke an deine Schwächen,
    schütze mit der Stärke oder du wirst dran zerbrechen!
    Lauf los, hol dir alles von heute auf morgen:
    Deinen Namen und all die anderen Sorgen!


    Wenn du fällst und der Abgrund dich verschlingt!
    Wenn du Alles gibst und du trotzdem nicht gewinnst!
    Wenn du wem vertraust ohne eigentlich zu wissen,
    woher kommen die Stimmen und das schlechte Gewissen?
    Wenn Schlangen küssen, ohne dass sie Lippen haben!
    Wenn man dir Alles nimmt, ohne bitte zu sagen!
    Du kannst versuchen ohne es wirklich zu schaffen, Alle
    Dinge, die wir sehen ohne sie wirklich zu raffen.
    Wenn das so ist werd ich weiter in den Himmel schauen,
    weil ich an Engel glaube und wir auf unsere Götter vertrauen!

  • Eine Rose


    Tief im dunklen Wald, wo die Sonne nicht scheint, wo die Wölfe heulen;
    Dort hab ich uns ein Bett gemacht aus weichem Farn und grünem Moos unter den alten Tannen.


    Eine knospend zarte Rose bracht ich dir dort dar, sanft geküsst von Morgentau.
    Bebend, hoffend wart ich dort, doch du, du bist nicht gekommen.
    Mit Blut und Tränen nährt ich sie, doch du liesst sie verdorren.

  • Geschrieben damals mit 15 :


    Jeder Mensch bringt ein gewisses Maß an Wissen direkt mit auf die Welt ...
    Man weiß wie man schreit, wie man die Eltern auf Trab hält und und und ...
    Der Mensch wächst und lernt ...
    Schließlich ist es an ihm sein Wissen zu erweitern ...
    Einige scheinen kurz hinter dem Kindergarten stehen geblieben zu sein ...
    andere wiederum entwickeln sich zu Intelligenzbestien ...


    knowledge is power


    Doch was nun besser ist, ist fraglich ...
    Ein Mensch der seine Meinung vertritt oder ein Mensch der als Mitläufer mutiert ...
    Beides kann man sein ... Egal auf welchem Niveau er sich befindet ...
    Doch eins ist Sicher ...
    Freßen oder gefreßen werden ist das Motto dieser Welt ...
    Und das von dem Moment wo man das Licht der Welt erblickt ...
    Doch wo beginnt der Moment wo zu viel Wissen schädlich ist ?
    Und Ist Wissen wirklich Macht ?


    knowledge is power


    Der Moment beginnt sobald man sich gegen die Gesellschaft auflehnt ...
    Nach seinen eigenen Regeln lebt ...
    Das sagt was man denkt ...
    In diesen Momenten ist Wissen nicht mehr Macht sondern ein Grund für die Gesellschaft
    einen zu freßen ... vernichten zu wollen ... denn man ist nicht mehr wie sie ...
    Man könnte gefährlich für sie sein, weil man die Wahrheit herausfinden könnte ...


    knowledge is power


    Dies alles kann dazu führen, daß einen das Glück verläßt falls man es je hatte...
    Einem Steine in den Weg gelegt werden ...
    Und auf Schritt und Tritt einem klar sein muß, daß an der nächsten Ecke der Tod
    lauern könnte ...
    Dieser kann dann Seelisch oder Körperlich vollzogen werden ...
    Wen was trifft, weiß niemand vorher ...


    knowledge is power


    Mit diesen Worten überlasse ich jedem seine eigene Meinung zu entfalten ...
    Doch seid gewarnt ...
    Es wird Leute geben die sagen hierzu "Ja" und "Amen" und Wissen doch nicht,
    worauf ich aufmerksam machen wollte ...

  • Unaufhaltsam


    Das eigene Wort,
    wer holt es zurück,
    das lebendige
    eben noch
    ungesprochene
    Wort?


    Wo das Wort vorbeifliegt
    verdorren die Gräser,
    werden die Blätter gelb,
    fällt Schnee.


    Ein Vogel käme dir wieder.
    Nicht dein Wort,
    das eben noch ungesagte,
    in deinen Mund.
    Du schickst andere Worte
    hinterdrein,


    Worte mit bunten, weichen Federn.
    Das Wort ist schneller,
    das schwarze Wort.
    Es kommt immer an,
    es hört nicht auf,
    anzukommen.


    Besser ein Messer als ein Wort.
    Ein Messer kann stumpf sein.
    Ein Messer trifft oft
    am Herzen vorbei.
    Nicht das Wort.


    Am Ende ist das Wort,
    immer
    am Ende
    das Wort.


    Hilde Domin (1962)


    Eines meiner lieblings Gedichte, denn es enthält nichts als die Wahrheit.

  • Mein seit heute erkohrenes Lieblingsgedicht Von Robert Gernhardt:


    Ach!


    Ach, noch in der letzten Stunde
    werde ich verbindlich sein.
    Klopft der Tod an meine Türe,
    ruf ich geschwind: Herein!


    Woran soll es gehn? Ans Sterben?
    Hab ich zwar noch nie gemacht,
    doch wir werd’n das Kind schon schaukeln —
    na, das wäre ja gelacht!


    Interessant so eine Sanduhr!
    Ja, die halt ich gern mal fest.
    Ach – und das ist Ihre Sense?
    Und die gibt mir dann den Rest?


    Wohin soll ich mich jetzt wenden?
    Links? Von Ihnen aus gesehn?
    Ach, von mir aus! Bis zur Grube?
    Und wie soll es weitergehn?


    Ja, die Uhr ist abgelaufen.
    Wollen Sie die jetzt zurück?
    Gibts die irgendwo zu kaufen?
    Ein so ausgefall’nes Stück


    Findet man nicht alle Tage,
    womit ich nur sagen will
    — ach! Ich soll hier nichts mehr sagen?
    Geht in Ordnung! Bin schon

  • Hab ich vor ein paar Tagen geschreibselt *g*



    Hilf mir... Ich will das alles nicht...
    Aber ich kann’s nicht ändern.


    Ich bin verbraucht, leer und kalt...
    Aber ich kann’s nicht ändern.


    Keiner sieht, was mit mir ist.
    Und ich kann’s nicht ändern.


    Vergrabe mich in Trauer und Schmerz...
    Und keiner kann’s ändern.


    Jetzt steh ich hier. Auf dem Turm.
    Und keiner wird’s ändern.


    Ich werde springen. Ein Ende setzen.
    Und keiner will’s ändern.


    Ich springe... fliege... falle...
    Und man kann’s nicht mehr ändern.

  • Geschrieben im letzten Kosovo-Einsatz....selbsterklärend


    Dort wo keine Bäume sprießen, dort wo keine Bäche fließen,
    Wo am Himmel keine Vögel sind, wo leise klagend heult der Wind
    Dort wo die Welt besteht aus Steinen, wo verlorene Seelen lautlos weinen
    Wo Trostlosigkeit regiert mit kalter Hand...Dort findest du das wüste Land


    Wo drückende Stille liegt in der Luft, wo eisiger Atem wie tief aus der Gruft
    fegt sturmgleich über leere Ebenen, wie zu verhöhnen alle Lebenden
    Dort wo jeder Glaube starb, wo alles Gute einst verdarb,
    Mitten dort im wüsten Land, steht eine Blume am Wegesrand


    Gepflanzt von der Trauer, mit Tränen gegossen, welche aus tiefster Verzweiflung flossen
    gedüngt mit dem Schmerz der aus Unrecht entstand...zeigt sie doch stolz ihr buntes Gewand
    Und sie stemmt sich mit ihrer Farbenpracht unermüdlich gegen die finstere Nacht
    Dort wo das wüste Land vor Donner wiederhallt, trotz sie tapfer des Sturmes Gewalt


    Willst du erfahren was hier geschah, so wage dich hinab in die Gefahr
    Hinab in die Kälte, hinab in den Schmerz...und schenk´ ihr eine Träne aus tiefstem Herz
    so wird sie ihre Blüte öffnen, und dir zeigen...der Verderbnis endlos Reigen
    wie einst herab von kahlen Hügeln...der Tode kam auf schwarzen Flügeln


    Hat seine Schwingen ausgebreitet, der dunklen Flut den Weg bereitet
    er hetzte Söhne gegen Väter, bester Freund ward zum Verräter
    Die Flüsse waren rot vor Blut, als Sanftmut kehrte sich zur Wut
    Freundschaft, Liebe, nichts mehr Wert, die Schöpfung ward in sich verkehrt


    blühend Land, zur Wüste wurd, was einst vernünftig, ward absurd
    was einst fruchtbar war verdorrt, an jenem schrecklich finstren Ort
    an dem schwarze Herr regiert, und über´s Leben triumphiert
    Dort sitzt er voller Spott und Hohn, auf seines Werkes düsterem Thron


    Erblickst du dort die Sonne sinken, den Horizont ihr Lichte trinken
    siehst du die dunkel wallend Nebelschwaden, welche endlos Trauer tragen
    Fühlst du den Haß und auch den Zorn, der aus des Menschen Neid geborn
    daraus entstand dies wüstes Land, aus dem alles Leben ist verbannt


    So hörst du diese Blume klagen, vor der Einsamkeit verzagen
    Denn an zu mahnen altes Glück, blieb sie hier allein zurück
    Stemmt sich der kalten Nacht entgegen, um zu warnen alles Leben
    Als Bote einzig und allein gesandt, zu künden von dem wüsten Land


    Gehst du dann am frühen Morgen, so sei ledig aller Sorgen
    Weißt du nicht, wie mann sie nennt, die Hoffnung gar als Blume kennt
    Irgendwann in fernen Zeiten, wird sie ihre Saat verbreiten
    und wo die Erde einst verbrannt, wird wieder blühn dies wüste Land


    die Flüsse werden wieder fließen, Bäume werden wieder sprießen
    die Liebe kehrt langsam zurück, und mit ihr lang verlorenes Glück
    und im Wind hörst du den Freudenruf, der kleinen Blume die dies schuf
    im endlos bunten Blütenmeer...das wüste land, es ist nicht mehr.

  • Sehnsucht


    *Kristiane Allert-Wybranietz*


    Schade, dasß du nicht hier bist.
    Ich friere hier am warmen Ofen,
    finde es viel zu laut in dieser Stille.


    Im Haus knackt es, was sonst vertraut,
    bedrohlich; und selbst das Licht der Lampe
    wirft heute Dunkelheit.


    Ich finde, sogar die Blumen lassen
    ihre Blätter hängen und ihre Blüten
    sind verschlossen,
    so als ob sie schmollen.


    Ich trinke guten Wein und
    schmecke nichts als Flüssigkeit,


    und bald fallen mir die Augen zu,
    doch finde ich keine Ruhe,


    meine Gedanken sind zu laut,
    in dieser Stille hier.


    Jetzt dein Lächeln sehen,
    deine Stimme hören
    und spüren,
    du bist da.

  • Die Zeit
    (von mir)



    Ich wollt' du hättest Flügel
    Und ich wollt' du bliebest steh'n.
    Die Zeit heilt alle Wunden,
    Doch die Narben nie vergeh'n.


    Bestimmt zu lieben, bestimmt zu hassen
    So funktioniert das Menschengeschlecht.
    Doch allen Menschen, allen Rassen
    Verhilft nur Zeit zu ihrem Recht.


    Planeten sterben und entsteh'n
    Reiche kommen und Reiche geh'n.
    Allein die zeit bleibt niemals steh'n.


    Solls gescheh'n, so mags gescheh'n.
    Unberührt bleibt nur die Zeit.
    Die Zeit, die Zeit, in Ewigkeit.


    und noch eins:



    Nur Du
    (auch von mir)



    Du bist mein Mond
    Und meine Sonne
    Bei dir zu sein ist mir die reinste Wonne.


    Die Sterne, deren Glanz verblasst,
    Ihr Licht verschwindet fast;
    Nähm’ ich sie auf die Erde runter
    Da scheinen sie gar nicht mehr so munter.


    Doch sind sie mehr als nur leuchtender Tand
    Drum nimmst du mir sie aus der Hand
    Bringst in den Himmel sie zurück,
    Entgleitest meinen Blicken Stück um Stück.


    Du bist da oben und ich hier unten
    So haben wir uns schon einmal gefunden.
    Ich steig hinauf die Wolkenleiter
    Zu Pegasus, dem Wolkengleiter.


    Er kam mit dem großen Wagen
    Mich durch das große Tor zu tragen.
    Er trug mich hin, ganz nah zu dir.
    und mit ihm kamen Schütz’ und Stier.


    Wir sind vereint so hoch am Himmelszelt
    Und schauen hinunter auf die ganze Welt.
    Wir sind die, die ihr alle kennt.
    Wir sind, was ihr Menschen Bild der Zwillinge nennt.


    Unsere Liebe erschuf einen neuen Stern
    Und ihn haben alle Menschen gern.
    Venus ist sein großer Name,
    Ihn mögen alle, Herr und Dame.


    Er ist der hellste Stern am Himmel dort
    Denn die Liebe ist da, währt fort und fort.
    Und ist das nicht auch Sinn der Lieb’?
    Sie scheint und scheint, wird niemals trüb.

  • Grundlos zärtlich


    *Jörn Pfennig*


    Wenn ich dir sage, ich hab dich lieb
    wehre dich bitte nicht
    zugegeben: wir kennen uns kaum
    aber wir haben nicht viel Zeit.
    Wenn ich glaube, dich liebzuhaben
    dann brauche ich keinen Beweis
    daß es wirklich so ist -
    was zählt, ist die Möglichkeit.
    Du wirst kaum die Gelegenheit haben
    die Tiefe meines Gefühls zu überprüfen.
    Wenn ich dir sage, ich hab dich lieb
    dann laß mich ruhig lügen
    wenn es dich freut, nimm es an
    und laß mich zärtlich sein.
    Für Zärtlichkeit
    braucht man keinen Grund
    und schon gar nicht den Grund
    Liebe.



  • Wintertraum


    Ob wohl ich hoffe, dass es nur am Winter liegt,
    wenn ich oft fröstle so wie heut
    meine Finger klamm und steif sind
    mich nichts mehr aufbauen kann und nichts mehr freut
    und mir vor Kälte die Zunge schwer wird
    und meine Gefühle erfrieren in dieser Zeit
    habe ich doch Angst, dass es auch wenn´s wieder
    Frühling wird, doch noch Winter in mir bleibt...



    Find keine Worte mehr für Wärme, auf meiner Seele
    blühen Eisblumen, die nicht mehr tauen
    Schneekristalle klirren durch meine Adern
    wie in einem verblassten Wintertraum
    ich gehe zum Ofen hin und hoffe inständig,
    dass er die Angst in mir vertreibt
    die Angst, dass es auch wenn´s wieder Frühling wird,
    doch noch Winter in mir bleibt...



    Gefrorener Blick, alles ist wie im Nebel
    keine klare Sicht, ich sehe den Weg vor mir nicht mehr
    ich stecke fest im Schnee, komme keinen Schritt
    mehr weiter, und versinke ohne Wiederkehr
    ich habe das Gefühl, dass alle meine Träume
    ein kalter Wind auf´s Meer raus treibt
    und zurück bleibt nur ein Winter, der auch
    nach dem Frühling noch in mir bleibt...



    Eis schreit vor Schmerz, ich sehe eine Welt die taut
    das neue Leben, weich und warm
    streckt sich aus und blinzelt hinauf zum Himmel
    und die Sonne nimmt es zärtlich in den Arm
    weiße Wolken, schweben über Wiesen und
    lassen sich treiben im milden Frühlingswind
    doch ich stehe hier, eingehüllt in Schweigen
    und einen Winter in mir, der kein Ende mehr nimmt...